Selbstdarstellung

 

Die terroristischen Anschläge der letzten Monate scheinen tief greifende Risse in den Beziehungen zu Muslimen - insbesondere im Westen - hinterlassen zu haben. Die Haltung zu Menschen muslimischen Glaubens ist wie noch nie zuvor von Misstrauen geprägt. Nicht zuletzt die schrecklichen Attentate auf die Züge in Madrid haben offenbart, wie plötzlich eine blinde Gewalt zuschlagen und das Leben von unschuldigen Menschen wesentlich beeinträchtigen kann - seien sie direkte Opfer der Anschläge oder friedliche Muslime, die ihr Leben lang ihrer (Wahl-)Heimat gedient haben und sich unerwartet in ihrer Existenz bedroht sehen.

Die Initiative “Nicht im Namen des Islam!“ ist eine Vereinigung von Menschen muslimischen Glaubens sowie von muslimischen Gemeinden und Vereinen, die es als ihre Pflicht betrachten, klar und islamisch fundiert Stellung zu diesen Ereignissen zu beziehen. Eine Pflicht nicht nur der eigenen Religion gegenüber, sondern auch der Mehrheitsgesellschaft gegenüber.

Ziel dieser Initiative ist eine breite Bewegung der in Deutschland lebenden Muslime gegen den feigen Terrorismus und gegen die dahinter stehende Irrleitung. Dadurch sollen einerseits die guten Nachbarschafts­beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen gefördert werden, da angesichts der jüngsten Ereignisse die Früchte einer langjährigen Dialogarbeit bedroht sind. Andererseits versteht sich die Initiative als ein klares ablehnendes Zeichen an diejenigen, die sich für ihre Gewalt­aktionen auf den Islam berufen.

Die Muslime in der Initiative “Nicht im Namen des Islam!“ lehnen Terrorismus in jeglicher Form und unabhängig von seiner Herkunft strikt ab. Nichts kann das Verlieren unschuldiger Leben rechtfertigen. Sie stützen sich dabei auf die folgenden Grundsätze:

1.

Die islamische Lehre hat der menschlichen Seele eine solch heilige Stellung gewährt, dass die Tötung eines unschuldigen Menschen der Tötung der gesamten Menschheit gleichkommt: „... wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten“ (5/32).

2.

Dialog ist die einzige und auch eine im Islam empfohlene Vorgehensweise, um Differenzen zu klären. Dieser Grundsatz ist fest verankert sowohl im Koran als auch in der Biographie des Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm). Die Koranstellen zum Krieg dürfen nicht aus ihrem Kontext gerissen und willkürlich interpretiert werden.

3.

Muslime sind stolz auf eine lange Geschichte der Toleranz, der Gerechtigkeit und der Wahrung der menschlichen Würde, obwohl es auch andere Phasen in der Geschichte gab – wo wie in den anderen Religionen auch. Nicht nur die Biographie Mohammeds (Friede sei mit ihm), sondern auch, und gerade im europäischen Kontext, gilt das muslimische Andalusien als beispielhafte Erscheinung der muslimischen Tradition. Diese darf durch das Fehlverhalten und das Irregehen von Einzelnen nicht beschädigt werden. Es ist das Recht und gleichzeitig die Pflicht jeder Muslima und jedes Muslims die authentische muslimische Tradition zu schützen – auch bei teilweise störender Einmischung von außen.

4.

Die Hintergründe der Gewaltaktionen Einzelner mögen in den sozialen und politischen Schieflagen in den islamischen Ländern gesucht werden oder auch in der Unterdrückung muslimischer Völker und der Besetzung ihrer Länder wie es in den palästinensischen Gebieten, im Irak, in Kaschmir oder auch in Tschetschenien der Fall ist. Diese Zustände können und dürfen jedoch nicht als Rechtfertigung für abscheuliche Verbrechen gelten. Gerade unter solchen Umständen lehrt uns die islamische Botschaft gerecht zu handeln: „O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Hass gegen eine Gruppe soll euch nicht (dazu) verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist euerem Tun kundig“ (5/8).

5.

Die Lösung für das gravierende Problem Terrorismus besteht nicht allein in Sicherheitsmaßnahmen, im Abbau von zivilen Rechten oder gar dem Absegnen von (präventiven) Kriegen. Verbittert musste die Menschheit in den letzten Monaten wieder feststellen, dass ein Krieg nie Gewinner hat. Heute sind vor allem Brücken gefragt: Brücken der Liebe und der Menschlichkeit innerhalb der solidarischen Gesellschaft, aber auch zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden, dem „pragmatischen“ Westen und dem „emotionalen“ Osten.
 

Unser Beitrag zur Umsetzung der angestrebten Ziele konzentriert sich auf folgende Tätigkeitsfelder:

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Kontakt zu möglichst vielen muslimischen Mitbürgern sowie zu Gemeinden und Vereinigungen herzustellen, um die Trennung zwischen Islam und Gewalt zu klären und eine breite Mobilisierung zu erreichen.

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Erarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen zur Bekämpfung von terroristischen Ideologien.

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Initiierung einer dauerhaften Antiterrorbewegung, um die muslimischen Mitbürger in großen Demonstrationen, Kundgebungen und Lichterketten jeder Zeit gegen Terrorakte zu versammeln.

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Dem Terror effektiv entgegen zu wirken, um Vertrauen zwischen den Sicherheitsbehörden und muslimischen Mitbürgern zu schaffen und Gefahren vorzubeugen.

Die Muslime in der Initiative “Nicht im Namen des Islam!“ rufen alle Mitbürger muslimischen Glaubens dazu auf, couragiert gegen die Terrorgefahr vorzugehen und die gebotene Wachsamkeit zu beweisen. Alle zur Verfügung stehenden Mittel sollen der breiten Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden, um die Sicherheit von allen zu gewährleisten.

Gerade jetzt, wo muslimische Mitbürger sich durch die verständlichen Reaktionen einer schockierten sowie nicht ausführlich informierten Umgebung zurückgewiesen fühlen, sollen sie sich zu Wort melden und sich nicht entmutigen lassen. Die Spaltung der Gesellschaft ist ein Ziel von Extremisten, denen man nicht Recht geben darf.

Wir rufen alle Muslime dazu auf, ihre Stimme hörbar zu erheben und ihre strikte Ablehnung von Terror und Gewalt kundzutun: Nein zum Terror! Nein, nicht in unserem Namen!


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