Stellungnahme

Feitagsansprache in der Moschee
der islamischen Gemeinde in Erlangen
am 05.Aug.05

 

Quran 17:70 „Und wir waren gegen die Kinder Adams huldreich und haben bewirkt, dass sie auf dem Festland (von Reittieren) und auf dem Meer (von Schiffen) getragen werden, (haben) ihnen (allerlei) gute Dinge beschert und sie vor vielen von denen, die wir (sonst noch) erschaffen haben, sichtlich ausgezeichnet“.

Quran 15:28, 29, 30 „Und (damals) als dein Herr zu den Engeln sagte: "Ich werde einen Menschen aus trockenem, tönendem Lehm, aus schwarzem, zu Gestalt gebildetem Schlamm schaffen. Wenn ich ihn dann geformt und ihm Geist von mir eingeblasen habe, dann fallt (voller Ehrfurcht) vor ihm nieder! Da warfen sich die Engel alle zusammen nieder

Abdullah Ibn Amro sagte, sagte der Prophet a.s.: Wer einen Geschützte („Mu´ahid“ nicht Muslim unter Muslime) tötet, wird nicht mal der Duft des Paradieses riechen, obwohl deren Duft von Hunderttausenden von Kilometern zu riechen ist.

Sehr verehrte Geschwister,

Seit vielen Jahren, genauer gesagt seit dem Ende des Afghanistan-Kriegs, halten die Morde an unschuldige Zivilisten an. Angefangen hat es mit dem Bürgerkrieg, wo in der 90iger Jahre über 30 Tausend algerische Zivilisten mit den grausamsten Methoden von politisch motivierten Fanatikern kalt blutig ermordet wurden. Da die Muslime damals es versäumt haben, gegen diese Ideologie der Tötung massiv und auferklärlich vorzugehen, hat sich dieses Verbrechen gegen unschuldige Zivilisten heute verbreitet und sich zu einer weltweiten Bedrohung für die Zivilisation gemacht. Vor 2 Wochen war die ägyptische Stadt Scharm El-Scheich das Ziel dieses Menschenverachtenden Verbrechens.

Viele islamischen Fatwa-Komitees sowohl in der islamischen Welt als auch im Westen in Spanien, Großbritannien und Nordamerika haben sich Al-Hamdullah letzter Zeit klare und eindeutige Fatawa diesbezüglich ausgegeben.

Letzte Woche hat das Komitee für islamisches Recht in Nordamerika eine Fatwa herausgegeben, die von 120 islamischen Gelehrten und namhaften islamischen Organisationen unterstützt ist. Diee Fatwa lautet:

Der Islam verbietet das religiöse Extremismus und die Gewaltanwendung gegen die Unschuldigen Menschen. Es gibt kein Entschuldigung oder Legitimierung für den Terror. Die Zielung auf die Zivilbevölkerung mit Selbstmordattentaten oder jede anderer Angriffsmethode ist nach dem Islam verboten und die Täter gelten als Verbrecher. Im Quran Sure 2:35 steht

„Aus diesem Grund haben wir den Kindern Israel vorgeschrieben, dass, wenn einer jemanden tötet, (und zwar) nicht (etwa zur Rache) für jemand (anderes, der von diesem getötet worden ist) oder (zur Strafe für) Unheil (das er) auf der Erde (angerichtet hat), es so sein soll, als ob er die Menschen alle getötet hätte. Und wenn einer jemanden am Leben erhält, soll es so sein, als ob er die Menschen alle am Leben erhalten hätte. Und unsere Gesandten sind doch (im Lauf der Zeit) mit den klaren Beweisen zu ihnen gekommen. Aber viele von ihnen gebärden sich nach alledem maßlos (indem sie) auf der Erde (Unheil anrichten)“.

Und der Prophet a.s. erklärte in viele seiner Hadithe, dass es keine Entschuldigung für die Personen gibt, die sich an einem Verbrechen in irgendeiner Weise beteiligen. Allah hat uns in Sure 2:143 befohlen, gemäßigt zu sein

„Und so haben wir euch (Muslime) zu einer gemäßigten Gemeinschaft gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und der Gesandte über euch Zeuge sei.

Allah definierte für uns unsere Verpflichtung gegenüber die Mitmenschen als er in Sure 3:104 sagte:
„Aus euch soll eine Gemeinschaft (von Leuten) werden, die zum Guten aufrufen, gebieten, was recht ist, und verbieten, was verwerflich ist. Denen wird es wohl ergehen.

Anhand der genannten Belege aus dem Quran und Sunna erklären wir (das Komitee für islamisches Recht in Nordamerika weiter):

1.    Jeder Angriff auf die Zivilbevölkerung ist nach dem Islam verboten.

2.    Jede Zusammenarbeit in irgendeiner Weise mit den verbrecherischen terroristischen Gruppen ist nach dem Islam  verboten.

3.    Die religiöse und bürgerliche Pflicht jeden von uns ist die Unterstützung der Behörden, um das Menschenleben zu schützen. (Zitat Ende)

Sehr verehrte Geschwister,

Diese Angriffe stehen im Widerspruch zur Grundidee des Islams. Wenn die Attentäter sich darauf berufen, ist das Frevel. Sure 6, 164:“... Und jeder begeht nur zu seinem eigenen Nachteil (was er sich an Sünden zuschulden kommen lässt). Und keiner wird die Last eines anderen tragen. Schließlich werdet ihr zu euren Herrn zurückkehren“.

Auch wenn muslimische Menschen Opfer von Aggression werden – wie im Irak, Tschetschenien oder Palästina - ergibt sich daraus kein Recht, das gleiche zu tun.

Es gibt also weder aus menschlichen noch Koranischen Gründen eine Rechtfertigung für solche Taten. Dies muss allerdeutlichst gesagt werden. Man darf sich nicht durch Schweigen schuldig machen. Es genügt also nicht, solche Untaten selber abzulehnen, sondern man muss dies öffentlich und vor allem auch vor den jungen Leuten deutlich machen.

Die Muslime hier in Europa, die sich jahrelang für Dialog und Verständigung eingesetzt haben, müssen damit fortfahren und sich nicht von derlei Stimmungen, wie sie jetzt wieder aufkommen werden, entmutigen lassen. Im Gegenteil, es ist das Interesse aller, deutlich zu machen, dass man zur Mehrheitsgesellschaft gehört und sich explizit gegen radikalisierte Kräfte stellt.

Es darf uns auf keinen Fall passieren, dass wir das Leid vieler Muslime in vielen Ecken der Welt aus den Augen verlieren. Wir können mit legitimen Mitteln für mehr Gerechtigkeit in der Welt eintreten – und müssen als gutes Beispiel voran gehen. Hier ist jeder einzelne gefordert, sich auseinander zu setzen – es lässt sich keine Verantwortung abgeben.

Mohamed Abuelqomsan


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